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Bei den Festspiele Europäische Wochen Passau 2010, die vom 10. Juni bis 18. Juli stattfinden und unter dem Motto „Frauengestalten – Frauen gestalten“ stehen, wird die russische Menschenrechtlerin Dr. Irina Scherbakowa als Festrednerin auftreten. Für den Intendanten Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg ist es eine besonders große Freude, dass mit dieser renommierten Menschenrechtlerin erneut eine herausragende Persönlichkeit von internationalem Rang für die Festrede gewonnen werden konnte.
Dr. Irina Scherbakowa wurde 1949 in Moskau geboren. Nach dem Studium der Germanistik, das sie 1971 mit dem Staatsexamen abschloss, war sie zunächst als Übersetzerin tätig. Seit Ende der 1970er-Jahre beschäftigte sie sich mit dem Schicksal von Opfern des Stalinismus, indem sie zahlreiche Tonbandinterviews mit Überlebenden des sowjetischen Gulag führte und schriftliche Nachlässe sammelte. In diesem Zusammenhang war sie dann auch publizistisch tätig, veröffentlichte ihre Erkenntnisse also in verschiedenen Zeitschriften.
Von 1992 bis 2006 lehrte sie als Dozentin an der Russischen Staatlichen Universität für Humanwissenschaften in Moskau im Bereich „Oral History“. Dabei forschte sie über das kulturelle Gedächtnis in Russland und betrieb umfangreiche Archivstudien zum Stalinismus – bereits ab 1991 auch in den Archiven des KGB –, zum Gulag und zu den sowjetischen Speziallagern auf deutschem Boden nach 1945. Seit 1999 ist Dr. Scherbakowa Leiterin des jährlich ausgerichteten Projekts „Allrussischer historischer Schülerwettbewerb“ der 1988 auf Initiative von Andrei Sacharow gegründeten Menschenrechtsorganisation „Memorial“.
Für ihren Film „Alexander Men. Treibjagd auf das Sonnenlicht“ von 1993 wurde sie 1994 mit dem Katholischen Journalistenpreis ausgezeichnet. Darüber hinaus gehört sie seit 1999 dem Kuratorium der Gedenkstätte Buchenwald in Weimar an. 2005 erhielt sie für ihren unermüdlichen Einsatz für die Menschenrechte das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Wieder einmal ist es den Verantwortlichen der Festspiele Europäische Wochen Passau in Zusammenarbeit mit der Universität Passau, dem Katholischen Deutschen Frauenbund / Diözesanverband Passau, dem Dekanatsfrauenteam des Evang.-luth. Dekanats Passau und dem Arbeitskreis Christen und Juden in Passau gelungen, für die diesjährige Auflage eine hochkarätige Referentin zu gewinnen: Die Cellistin Anita Lasker Wallfisch, Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz, wird am Montag, 21. Juni 2010, aus ihrem Leben berichten. Der Intendant Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg sieht es als eine besondere Auszeichnung für die Arbeit der Europäischen Wochen, dass sich die in London lebende Künstlerin als Zeitzeugin des Holocausts bereiterklärt hat, nach Passau zu kommen.
Anita Lasker Wallfisch wurde 1925 in Breslau, dem heutigen Wrocław (Polen), als dritte Tochter von Dr. Alfons Lasker, der als Rechtsanwalt und Notar am örtlichen Oberlandesgericht tätig war, und der Musikerin Edith Lasker geboren. 1942 wurden ihre Eltern von den Nazis deportiert und ermordet.
Während sich die älteste Schwester von Anita Lasker Wallfisch nach England retten konnte, kam sie selbst zusammen mit ihrer Schwester Renate als Zwangsarbeiterin in eine Papierfabrik. Da die beiden dort wiederum Papiere für französische Kriegsgefangene fälschten und entdeckt wurden, wurden sie zu Gefängnis- und Zuchthausstrafen verurteilt. 1943 kamen sie getrennt voneinander in das Konzentrationslager Auschwitz, wo es nur einem glücklichen Zufall zu verdanken war, dass sie sich wieder fanden. Das Leben rettete den beiden dort schließlich die Tatsache, dass Anita Lasker Wallfisch als Cellistin in der Lagerkapelle spielte. Ende 1944 wurden sie nach Bergen-Belsen verbracht und dort am 15. April 1945 von englischen Truppen befreit.
Anfang 1946 gingen beide nach England. Dort wurde Anita Lasker Wallfisch Gründungsmitglied des English Chamber Orchestra und heiratete den Pianisten Peter Wallfisch. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Raphael Wallfisch, der ebenfalls Cellist wurde, und Maya Wallfisch, die als Psychotherapeutin arbeitet. Inzwischen hat Anita Lasker Wallfisch auch vier Enkelkinder, die alle das musikalische Vermächtnis der Großmutter weitertragen: Benjamin als Dirigent und Komponist, Simon als Cellist und Tenor, Joanna als Jazz-Sängerin und Abraham als Cellist.