58. Festspiele Europäische Wochen Passau 2010 | 10. Juni bis 18. Juli 2010

Ein grenzüberschreitendes Festival

Die Festspiele wurden im Jahre 1952 von amerikanischen Offizieren in Zusammenarbeit mit der Stadt Passau ins Leben gerufen. Anfangs war als Zielsetzung formuliert, „das gemeinsame kulturelle Erbe Westeuropas aufzuzeigen und die Notwendigkeit eines politischen Zusammenschlusses Westeuropas zur Erhaltung und Fortführung der Werte dieses kulturellen Erbes zu betonen“. Doch schon nach kurzer Zeit trat immer mehr der Gedanke in den Vordergrund, europäische Kultur grenzenlos in all ihrer Schönheit und ihrem Facettenreichtum den Bürgern Passaus, des weiten Umlandes und auch vielen auswärtigen Gästen nahezubringen, politische Barrieren zu überwinden und kulturelle Begegnungen zwischen den Menschen aus Ost und West zu ermöglichen. Zur Zeit des Kalten Krieges und der ideologischen Spaltung Europas gelang es meinem Vorgänger im Amt des Intendanten, Generalmusikdirektor Walter Hornsteiner, immer wieder, wenn auch unter erschwerten Bedingungen, gerade Künstlern Mittel- und Osteuropas eine Plattform zur Darbietung ihrer Kunst zu bereiten. Aus der Festschrift „40 Jahre Europäische Wochen“ seien dazu Worte des ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten Dr. Rudolf Kirchschläger zitiert: „Passau ist in bewundernswerter Weise den Weg von der Grenze zur Mitte Europas gegangen. Es hat dabei die schon durch die Donau angebotene Komponente des Lebens nie vernachlässigt, aber doch auch das Bewußtsein der Priorität des Geistes nie verloren. Die Europäischen Wochen haben in jenen Jahren, in denen Europa in zwei einander feindliche Teile zerbrochen schien, die Brücken über die Gräben mit Klugheit und Energie begehbar gehalten und in der kulturellen Begegnung mit den slawischen Völkern Europas Vorurteile abgebaut und dem Begriff Europa auch im östlichen Teil unseres Kontinents hoffnungsvolle Bedeutung gegeben.“

Wir sehen es heute als unsere Aufgabe, die hier zwischen Ost und West geknüpften Verbindungen weiter zu pflegen und auszubauen, denn jetzt, nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ und nach der EU-Osterweiterung in diesem Jahr haben wir die einmalige, wunderbare Chance, lange Zeit nur ein Traum, ohne Grenzangst grenzüberschreitend zu arbeiten, Nachbarschaft und Freundschaft zu pflegen. Sind unsere Festspiele, nicht zuletzt durch die Unterstützung der Oberösterreichischen Landesregierung, insbesondere durch das persönliche Engagement von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer, schon seit langem in Oberösterreich verankert (im Jahr 2010 mit den beiden Veranstaltungsorten Aistersheim und Engelhartszell), so war es ab 1996 unser Ziel, in Süd- und Westböhmen Gemeinden mit der Bereitschaft zu finden, mit uns zusammenzuarbeiten und uns Veranstaltungsräume zur Verfügung zu stellen. Dies ist rundum gelungen. Zunächst wurde ein hoffnungsvoller Anfang 1996 mit einem Konzert in der Pfarrkirche St. Veit zu Český Krumlov (Krummau) gemacht. Daraus entwickelte sich schon 1997 der bis heute Jahr für Jahr stattfindende so genannte Traumtag in Böhmen mit zwei oder mehr Veranstaltungen. 2010 werden zwei Konzerte in Vyšší Brod (Hohenfurt) und Zlatá Koruna (Goldenkron) durchgeführt.

Mit unseren Festspielen und unserer Arbeit, möchten wir sowohl in Bayern, Oberösterreich und Böhmen für ein Europa der Freiheit, des Friedens und der Freundschaft eintreten, ein Europa des Geistes, für das einst, um nur einige Namen zu nennen, Hugo von Hofmannsthal, Romain Rolland und Stefan Zweig vehement gekämpft haben und viele andere große Persönlichkeiten noch heute, gerade heute wieder, ihre Stimme erheben. Sie beflügeln uns darin, über und mit Kultur uns gegen ein Europa der Barbarei zu wenden, Barbarei, wie sie uns in unvorstellbarer Weise gerade im letzten Jahrhundert vor Augen geführt wurde.

Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg



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