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Die 58. Festspiele Europäische Wochen Passau, die unter dem Motto „Frauengestalten – Frauen gestalten“ standen, endeten mit einer grandiosen Aufführung von Jules Massenets Heiliger Legende „La Vièrge“ für Soli, Chor und Orchester unter der Gesamtleitung des luxemburgischen Dirigenten Jeanpierre Faber am Sonntag, 18. Juli. Das merkwürdigerweise erst zum zweiten Mal in Deutschland gespielte Werk löste beim Publikum in der Passauer Studienkirche Begeisterungsstürme aus. Unter den beteiligten Solisten brillierte vor allem die Sopranistin Susanne Geb in der Titelrolle der Jungfrau Maria. Weitere Mitwirkende waren der Chor der Gesellschaft der Musikfreunde Passau (Choreinstudierung: Lina vom Berg) und die Südböhmische Kammerphilharmonie Budweis.
Der Intendant der Festspiele, Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg, zeigte sich nicht nur ob des fulminanten Schlusskonzertes sehr zufrieden, sondern zog insgesamt eine durchweg erfreuliche Bilanz hinsichtlich der gesamten Festivalsaison, in der es 74 Veranstaltungen aus den Bereichen Musik, Theater, Lesung, Film, Vortrag, Ausstellung, Podiumsdiskussion und Naturkundliche Wanderung im Dreiländereck Ostbayern, Böhmen und Oberösterreich zu erleben gab. „Es freut mich, dass unser Motto und Thema ,Frauengestalten – Frauen gestalten‘ sehr positiv und nicht feministisch aufgefasst wurde und wir mit Seneca zeigen konnten: ,Oh wie vieler Frauen herrliche Taten liegen im Verborgenen.‘ Trotz der vielen sommerlichen Konkurrenzveranstaltungen in Passau und in unserer Dreiländerregion, trotz größter Hitze bei unseren Freilichtaufführungen, trotz der Fußballweltmeisterschaft und auch trotz des hohen Anteils von zeitgenössischer Musik mit neun Auftragswerken und zehn Uraufführungen in dem wie immer anspruchsvollen Programm können wir wieder auf ein hervorragendes Ergebnis im Kartenverkauf blicken. So wurden insgesamt 11.671 Karten verkauft (2009: 11.828). Von den 59 eintrittskartenpflichtigen Veranstaltungen waren immerhin neun ausverkauft, also rund 15 Prozent. Das finanzielle Ziel (281.900 Euro) wurde hier innerhalb des Gesamthaushaltes mit 278.026,90 Euro nahezu erreicht. Insgesamt besuchten schätzungsweise bis jetzt rund 27.000 Kulturfreunde die teils eintrittskartenpflichtigen und teils eintrittskartenfreien Veranstaltungen.
Fünf Ausstellungen sind noch zu besichtigen, so „Mütter – Weiber – Schicksalshexen – Ernst Barlach und die Frauen“ im Passauer Museum Moderner Kunst Wörlen (bis 15. August), Gemälde von Tremezza von Brentano (bis 1. August) sowie Porzellanfiguren von Gundi Dietz (bis 31. Juli) im Zentrum unabhängiger Ausstellungen in Passau, „Frauen – Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen von Arno Rink“ in der Landkreisgalerie auf Schloss Neuburg/Inn (bis 29. August) sowie „Frauen – Torsi – Stahlobjekte“ von Alto Hien und Christiane Pott-Schlager auf der Innwiese vor dem Nikolakloster in Passau (bis voraussichtlich 3. Oktober).
Bezüglich der künstlerischen Qualität der Veranstaltungen haben sich die hohen Erwartungen, die der Intendant in das Programm gesetzt hat, nach seinen eigenen Worten nicht nur erfüllt, sondern sind vielfach sogar übertroffen worden. „Es ist unglaublich, was insbesondere die vielen jungen Künstlerinnen und Künstler mit Begeisterung an höchster Qualität dargeboten haben. Dies lässt mich trotz aller Schwierigkeiten in der Kulturvermittlung, insbesondere der Vermittlung von klassischer Musik, hoffnungsvoll in die Zukunft schauen“, so Dr. von Freyberg.
Als Glanzpunkte von überregionaler Bedeutung nennt er unter anderem: das Konzert mit der Cellistin Sol Gabetta und dem kammerorchesterbasel, den Schubertabend mit der Pianistin Elisabeth Leonskaja, die Chopinnacht mit den Pianistinnen Ewa Kupiec und Martina Filjak, die vier sonntäglichen Klaviermatineen mit Ana-Marija Markovina, Lilya Zilberstein, Anna Vinnitskaya und Olga Kern, den Liederabend mit der Sopranistin Christiane Oelze, die Veranstaltung „Komponistinnen unserer Zeit“ mit Uraufführungen von Auftragswerken an Sofia Gubaidulina und Konstantia Gourzi (Composer in Residence der diesjährigen Festspiele), die Kammerkonzerte mit dem Trio Wanderer, dem DAFO-Quartett und dem Athena Quartett, die Aufführung des Oratoriums La Betulia liberata, eines Frühwerkes von Wolfgang Amadeus Mozart, mit u.a. dem L’Orpheo Barockorchester unter Leitung von Michi Gaigg, das Konzert mit der Sopranistin Emma Kirkby, dem Countertenor Michael Chance und dem Ensemble Musica Petropolitana, das Konzert mit der Sopranistin Nuria Rial und der Austrian Baroque Company, das Klassik Open Air mit dem Trompeter Gábor Boldoczki und dem Franz Liszt Kammerorchester, das Konzert „Von Mozart und Mahler“ mit der Mezzosopranistin Stella Doufexis und dem Bundesjugendorchester, die Aufführung des Oratoriums „Der Seele Ruh“ von Roland Kunz mit u.a. dem Countertenor Andreas Scholl, dem orpheus chor münchen, der Band Orlando und die Unerlösten und dem Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Anu Tali, die Nachtvorstellung „Fragmente der Liebe – MedeaElektra“ mit der Schauspielerin Corinna Harfouch, die Nachmittagsveranstaltung „Gisela May liest und erzählt aus ihrem Leben“ sowie die Aufführung des Jean Cocteau-Monodrams „Die menschliche Stimme“ mit der Schauspielerin Hanna Fiedrich und der nachfolgenden Uraufführung von „Reaching into Light“ der amerikanischen Komponistin Gloria Coates mit Tanz der in Paris lebenden und aus Passau stammenden Tänzerin und Choreographin Andrea Sitter (Auftragschoreographie der Europäischen Wochen). Im Tanzbereich war auch die Veranstaltung „Spitzentanz der jungen Elite“ mit von der Heinz-Bosl-Stiftung geförderten Studenten und Absolventen der Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München unter Leitung von Konstanze Vernon ein Höhepunkt.
Eine große Freude ist es für den Intendanten, dass es mit Hilfe von über 250 Förderern der Öffentlichen Hand, der Wirtschaft und des privaten Bereichs gelungen ist, nicht nur das Festspielprogramm auf höchstem Niveau zu halten, sondern auch weiterhin bei den Europäischen Wochen eine Politik der Nachhaltigkeit zu betreiben, d.h. eine Politik, mit der so früh wie möglich an Kinder und Jugendliche ein kulturelles Angebot herangetragen wird (zu niedrigen Eintrittspreisen von fünf oder sechs Euro und zu 40 Prozent ermäßigten Eintrittspreisen), und zwar vom Babyalter angefangen (das 2. Passauer Babykonzert war wie das vorjährige ausverkauft). 17 Prozent (!) aller verkauften Karten gingen an Kinder jeder Altersstufe, Schüler und Studenten. Alle fünf speziell auf Kinder ausgerichteten Veranstaltungen waren bestens besucht. Das Kinderkonzert „Der Karneval der Tiere“ mit Mitgliedern der Münchner Philharmoniker und Preisträgern des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ und zwei Pantomimen unter der Leitung von Heinrich Klug war ausverkauft.
Zu dem Gesamtresümee der diesjährigen Festspiele gehört für den Intendanten Dr. Pankraz von Freyberg auch, dass es sich erneut als richtig erwiesen hat, die Dreiflüssestadt Passau als Zentrum und Herz der Europäischen Wochen weiterhin zu stärken (über 50 Prozent der Veranstaltungen finden hier statt) und in einem Wechselspiel zu den anderen höchst attraktiven Veranstaltungsorten in der Dreiländerregion Ostbayern, Böhmen und Oberösterreich korrespondieren zu lassen. „Wir warten nicht nur darauf, dass kulturinteressierte Menschen zu uns nach Passau kommen, sondern gehen auf sie zu, zum Teil in kleinste Orte. Da wir innerhalb von fünfeinhalb Wochen ein tägliches Kulturangebot präsentieren, kann ein Kulturfreund, insbesondere Kulturtourist, jederzeit sein eigenes Programm aus unseren Veranstaltungen über Tage hinweg zusammenstellen und egal, an welchem Wochentag mit seinem Festivalbesuch beginnen“, konstatiert Dr. von Freyberg.
Den Erfolg der Festspiele insgesamt führt er zu einem großen Teil auch auf beste Begleitung durch die lokalen, regionalen und länderübergreifenden überregionalen Medien zurück.
Die 59. Festspiele Europäische Wochen Passau werden im kommenden Jahr vom 24. Juni bis 31. Juli stattfinden und unter dem Motto „À Dieu“ stehen. Veranstaltungsräume werden weiterhin die schönsten Kirchen, Klöster und Schlösser in Ostbayern, Böhmen und Oberösterreich sein.
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